Alters- und Pflegezentrum Kohlfirst in Feuerthalen

Bauvollendung 2016
Projektwettbewerb 2011 / 1. Preis
mit Meyer Stegemann Architekten AG
Landschaftsarchitektur: Hoffmann & Müller
Fotografie: Roger Frei

Neben dem bestehenden und zum Rückbau vorgesehenen Zentrum Kohlfirst ist ein dreigeschossiger, kompakter Neubau mit zwei Innenhöfen geplant. Durch die Gebäudeanordnung am südlichen Rand des Grundstückes, entsteht zu den kleinmassstäblichen Bauvolumen der Kernzone ein angemessener Zwischen- und Aussenraum. Zusätzlich staffeln sich die Längsfassaden zurück und treten somit in angemessener Ausdehnung in Erscheinung. Die geplante Erweiterung um 15 Zimmer für Menschen mit Schutzbedarf ist mittelfristig als eingeschossiges Volumen vorgesehen.

In der Hauptetappe werden die geforderten 75 Zimmer angeordnet. Vier Pflegewohngruppen mit Nebenräumen sind auf zwei Obergeschosse aufgeteilt. Dazu organisiert sich eine Wohngruppe für Menschen mit Schutzbedarf im Erdgeschoss. Ebenfalls auf diesem Geschoss, im Süden liegen die Cafeteria, Schulungsräume und diverse, allgemein genutzte Räume. Im Untergeschoss sind die Küche, die Wäscherei und wichtige Infrastrukturnutzungen untergebracht. Die Anlieferung erfolgt über die Tiefgarage im Untergeschoss. Drei Lifte führen zu den verschiedenen Geschossen, wobei zwei Anlagen primär dem Personal für den notwendigen Warenumschlag zugeordnet sind und die andere vor allem dem Personenverkehr dienen soll. Für eine angemessene natürliche Belichtung und Orientierung in den einzelnen Wohngruppen sorgen die zentralen Lichtinnenhöfe. Um diese Höfe und die zentralen Kerne ist es jenen Bewohnern mit ausgeprägterem Bewegungsdrang möglich zu zirkulieren. Die Essräume, Aufenthalts- und TV- Räume befinden sich im Zentrum der Wohngruppen und sind axial über die grosszügigen Lichtinnenhöfe und die aussenliegenden Terrassen vierseitig belichtet. Dazu vervollständigen kleinere Aufenthaltsbereiche, als periphere Treffpunkte an den Korridorenden das allgemeine Nutzungsangebot.

Alle Wohnungen verfügen über flexible Wohnräume und überhohe Raumhöhen steigern das Empfinden von Grosszügigkeit. Beinahe fühlt man sich im Zimmer einer Villa aus der Jahrhundertwende. Jedem Zimmer ist neben einem angemessenen Eingangsbereich und einer standardisierten Sanitäreinheit ein eigener Reduitraum zugeordnet. Als Alternative zu den üblichen Kleinstbalkonen in Alterszentren sind in den Wohnungen im Kohlfirst „französische Balkone“ konzipiert. Jeweils zwei traditionelle, zweiflügelige hochformatige Fenster lassen sich durch umklappen der Flügel vollständig öffnen und vermögen in den wärmeren Monaten des Jahres den Innenraum zum geschützten Aussenraum zu transformieren. Dem noch verstärkterem Wunsch nach Aussenraum  entsprechen die grosszügigen Terrassen in der Allgemeinzone im Zentrum der Wohngruppen. Dem Bedarf an Doppelbesetzung von einzelnen Wohnungen kann durch ein optimiertes Rastersystem und flexible Trennwänden Rechnung getragen werden. Mit einer raffinierten und ebenso einfachen Transformation lassen sich drei 1er- Wohnungen in zwei 2er- Wohnungen aufteilen. Bei beiden Wohnungsgrössen können die Betten und sämtliche Möbelstücke nach Bedarf des Nutzers individuell angeordnet werden.

Die primäre Statik wird von den innenliegenden Kernen und den Sanitärzellwänden in Massivbauweise, ergänzt durch Stahlstützen an der Fassade, in die Fundation abgetragen. Haustechnikschächte sind den jeweiligen Zimmern direkt zugeordnet und zugänglich gestaltet. Zu den gesteckten Anforderungen gehört auch die planerische und bauliche Massnahme, alle Bauteile so einzubauen, dass sie einfach zu ersetzen und zu recyceln sind. Konstruktion und Material: Primär wird einer dauerhaften und nachhaltigen Konstruktion grösste Beachtung geschenkt. Das Haus ist im Innern konventionell, massiv gebaut und die Fassade soll mit hochgedämmten Holzelementtafeln geschlossen werden. Der Elementbau in der Fassade resultiert unter anderem aus dem seriellen Aufbau der Gebäudestruktur als folgerichtige Konsequenz. Die Holzkonstruktion wird den energetischen Anforderungen (Minergie) entsprechend gedämmt, dampfdicht abgesperrt und innen mit Gips verkleidet. Zusätzliche Kompensation der Wärmedämmung kann auf dem Dach realisiert werden. Die äusserste Schicht ist mit weiss glasierten, kannelierten Keramikplatten vorgehängt. Vor den Fenstern sorgt ein aussenliegendes Stoffrollo für einen wirkungsvollen Sonnenschutz und für angenehmes Innenklima. Farbige Vorhänge an der Innenseite tragen unterstützend dazu bei und sorgen zusätzlich für eine angenehme, wohnliche Innenraumstimmung. Brandschutzkonzept: Die Geschosse sind mit der erforderlichen Anzahl Treppenhäuser (4 Stück mit max. 900m2 BGF pro Treppenhaus) ausgestattet; die Lage ermöglicht verschiedene Fluchtrichtungen. Ebenfalls sind die maximalen Abstände zu den  Gebäudeenden von jeweils 15m eingehalten. Im Erdgeschoss führen alle Anlagen direkt ins Freie.