Schulhaus Martin Haffter in Weinfelden

Projektwettbewerb 2017 / 6. Preis
Bauherrschaft: Gemeinde Weinfelden
Visualisierung: Hunkeler Hürzeler Architekten AG

Die bestehende Schulanlage aus den siebziger Jahren wurde als klassisch modernes Gebäude entworfen. In den neunziger Jahren wurde sie mit einer umfassenden Walmdachsanierung aus der kubischen Moderne „befreit“. Diese höchstwahrscheinlich technisch motivierte Massnahme veränderte die Architektur der gesamten Anlage entscheidend. Der entstandene heimatstilähnliche Ausdruck verlieh dem Gebäude eine romantische Note, gewiss als Widerspruch zur ursprünglichen Idee. Diese vielleicht etwas zufällige Metamorphose versuchen wir zu kultivieren um das Gebäude in eine stimmige und zeitgemässe Schule zu transferieren. Zusammen mit den stimmungsvollen Aussenraumqualitäten soll eine inspirierende Lern- und Lehrlandschaft für Schüler und Lehrer entstehen. Die bestehende, interessante Gebäudestruktur mit den attraktiven Innenhöfen sorgt wesentlich für die vielfältigen Raumstimmungen. Diese Qualität gilt es mit der vorgeschlagenen, linearen Erweiterung zu stärken und auszubauen. Um die gewünschte Flexibilität zu gewährleisten und differenziertere Schulmodelle anbieten zu können, wird zu Gunsten von zwei Gruppenräumen ein bestehendes Schulzimmer aufgelöst. Mit der Erweiterung nach Osten lässt sich durch Weiterstricken der vorhandenen Struktur die erforderliche neue Zimmer- und Gruppenraumanzahl leicht umsetzen. Zusätzlich entsteht vor den neuen Gruppenräumen in der erweiterten Gangzone Raum zum Lernen. Der neue Lift erschliesst im bestehenden Split-Level-Gebäude und in der Erweiterung sämtliche Räume rollstuhlgängig. Die Raumreserve im Dachgeschoss liesse sich optional zu drei Klassenzimmern ausbauen. Die relativ komplexe Gebäudehülle bedarf einer umfassenden, energetischen Sanierung. Mit einer effizienteren Gebäudehülle, einfacher, zusätzlicher Haustechnik und der Auswahl einer geeigneten Wärmerzeugung lässt sich das bestehende Gebäude, welches unter Schonung der Landressourcen erweitert wird, in ein nachhaltiges Gebäude umbauen. Die Nutzung von Sonnenenergie auf den nach Süden ausgerichteten Dachflächen könnte die energetische Effizienz zusätzlich steigern. Mit der energetischen, bautechnischen und architektonischen Sanierung der Gebäudehülle muss die bestehende Wärmeerzeugung mindestens angepasst werden. Sinnvoll wäre es, in dieser Fragestellung über den Ersatz durch ein alternatives, ökologischeres Heizsystem nachzudenken. Die umfassende Sanierung beinhaltet ebenfalls den Ersatz sämtlicher Fenster. Die Fassade soll wärmegedämmt werden und mit einer hinterlüfteten Haut aus witterungsgeschütztem Holz einen ansprechenden, neuen Ausdruck erhalten. Statisch ist vor allem der Nachweis der Erdbebensicherheit zu erbringen. Mit der Erweiterung in die Längsrichtung bieten sich im südlichen wie auch im nördlichen Anbau Potentiale für eine erfolgreiche Sicherstellung dieser Anforderung, durch Aktivierung entsprechender Längsbetonscheiben. Die bestehende Schulanlage besticht durch eine architektonisch und technisch resistente Substanz und lässt sich ohne weiteres mit den zusätzlich geforderten Nutzungen sinnvoll ergänzen. Es erscheint uns als nicht zwingend ein harmonisch eingewachsenes und funktionierendes Gebäude abzureissen. Zudem lassen sich sämtliche Mängel auch ohne „Tabula rasa“ sinnvoll korrigieren. Das Neue im Alten zu vereinen scheint auf der architektonischen, ökologischen und ökonomischen Ebene erfolgsversprechend zu sein.